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Samstag, 9. Januar 2016

Rückblick – Das Kreuz mit dem Tragen



Oh, ich fand Tragen super! 

Zumindest nachdem meine Kaiserschnittnarbe so gut abgeheilt war, dass ich den Druck gegen den Bauch aushalten konnte. Lämmchen ist ein Julikind. Wir hatten schönes Wetter, waren gerne draußen unterwegs. Erst spazieren, später kleinere Wanderungen. Ich war glücklich mit Lämmchen an mir, das Kind war glücklich in der Trage. Alles war prima und super und so unkompliziert. 
Bis ich im Internet recherchiert habe. Und festgestellt habe, dass ich mir das Böse per se umgeschnallt und mein Baby gefoltert und deformiert habe. 
War ja klar, ich bin das schwarze Mutterschaf! 
Ja, ich hatte eine alte, geschenkte Babybjörn-Trage. (Der werte Leser möge nach dem fassungslosen Luftanhalten bitte wieder weiteratmen!)

 
Und nun stand ich da und musste wieder von vorne mit dem Tragen anfangen. Also habe ich ein Tragetuch besorgt. Was soll ich sagen… ich habe geübt mit einem Teddy. Ich habe geübt mit Lämmchen. Lämmchen fand es furchtbar. Lämmchen hat geschrien. Und ich habe immer mehr Aggressionen gegen dieses unpraktische meterlange herumhängende Teil bekommen. No way. Tragetuch war einfach nicht unseres.

Also habe ich weiter gesucht. Da eine Freundin gute Erfahrungen damit hatte, habe ich mir eine Manduca besorgt. Damals hatte ich anscheinend noch nicht tiefgehend genug recherchiert und wusste noch nicht, dass auch eine Manduca das Böse ist, wenn das Baby noch zu klein ist. Aber so weit kam es gar nicht. Schon beim Reinbefördern bekam Lämmchen die Krise. Und wer eine Manduca praktisch beim Anlegen & Co findet, der hat wirklich noch nie einen Babybjörn probiert und weiß nicht wie einfach es sein kann. 

Während dieser Versuche war ich frustriert. Mein ganzes Trageglück war verschwunden. Ich legte ein paar Wochen Pause ein. Versuchte es wieder. Immerhin gelang es mir zumindest ab und an mit dem Kind in der Tragehilfe auch tatsächlich bis nach draußen zu kommen. Aber es dauerte nicht lange, mal zehn Minuten, mal immerhin eine halbe Stunde bis Lämmchen wieder die Krise in der Trage bekam. Einmal musste ich sie aus der Manduca nehmen und sie auf dem Arm bis nach Hause tragen, so unerträglich fand sie es. Und da hatte ich die Schnauze gestrichen voll vom Tragen.
Jetzt habe ich mich mit dem Kinderwagen und seinen Nachteilen arrangiert, Lämmchen hatte mit ihm sowieso noch nie Probleme.

Ich kann förmlich hören, was der werte Leser sich nun denkt. 
Trageberatung. 
Der goldene Schlüssel, der alle Probleme löst. 
Möglicherweise. 
Aber ehrlich gesagt widerstrebt es mir noch heute für eine Beratung gleich viel Geld auszugeben wie für das, was ich dann kaufen soll. (Oh, ich weiß, Tragen sind oft noch viel teurer, aber ich hätte sowieso nur etwas Günstiges bzw. Gebrauchtes gekauft.) Vor allem, wenn ich das Gefühl habe, dass Lämmchen sich in den ergonomisch korrekten Tragen irgendwie eingeengt fühlt und sich das ggf. auch erst nach einer gewissen Zeit zeigt.

Vielleicht versuche ich es doch noch mal, wenn ich genug Abstand gewonnen habe, dass mich das ganze Thema nicht mehr so frustriert. So weit es mein nicht unbelasteter Rücken noch mit dem immer schwerer werdenden Gewicht aufnehmen kann.

Aber derzeit genieße ich auch ungeniert die Vorteile des Kinderwagens. Das Kind schläft gut darin. Ich kann Lämmchen leicht hochnehmen und ablegen, wie ich es brauche. Meine Kleine trinkt unterwegs selbstständig ihr Fläschchen im Wagen. Selbst Wickeln klappt prima da drin. Einkaufen ist unschlagbar damit. Und wenn man sich die richtigen Wege aussucht, ist auch Wandern schön damit. 

So. Da hast du es, blöde Trage!

Euer schiebendes schwarzes Mutterschaf


Aktuelles zum Tragen hier.




Donnerstag, 7. Januar 2016

Rückblick - Das Wochenbett



Nun war das Lämmchen also durch den Bauch geboren worden. Und das war gut so. 

Beim Zusammennähen stellte man nämlich fest, dass bei mir eine sogenannte Insertio velamentosa vorlag. Eine eher seltene Nabelschnuranomalie, bei der die entsprechenden versorgenden Blutgefäße nicht geschützt innen in der Plazenta verlaufen, sondern ungeschützt außen auf der Eihaut. Wir hatten dreifaches Glück, dass die Adern nicht während der Schwangerschaft, nicht während dem Platzen der Fruchtblase und nicht bei der möglichen natürlichen Geburt verletzt worden sind. Lämmchen hätte auf der Stelle verbluten können. Ich mag gar nicht so viel darüber nachdenken. Es ist ja alles gut gegangen.
 
Die ersten Stunden mit Lämmchen waren einfach nur idyllisch. Ich konnte zwar meine Beine nicht bewegen, aber es tat mir auch nichts weh, die Kleine lag an meiner Brust, Papabock an meiner Seite.



Tags darauf war alles anders. 
Höllische Schmerzen bei der kleinsten Bewegung. Ich konnte nichts tun, geschweige mich denn um mein Kind kümmern. Zum Glück kannte sich der Papabock mit Babys aus und kümmerte sich rührend um unser neues Glück. Das Einzige, das ich zu tun hatte – zu tun zumindest theoretisch in der Lage war, wenn man mir das Kind in Position legte - war das Lämmchen zu stillen. 

Ich bin das schwarze Mutterschaf, es klappte nicht. 

Lämmchen versuchte nur kurz zu trinken und schlief ein oder brüllte. Brüllte vor Hunger. Ein furchtbares Gefühl sein Kind nicht ernähren zu können. Alle Versuche halfen nicht weiter. Als sie mehr als das Übliche an Gewicht verlor, erlöste man mich mit einer Milchpumpe und wir begannen zu zufüttern. Von da an ging es mit Lämmchens Gewicht wieder bergauf. 

Am Entlassungstermin konnte ich immerhin wieder einigermaßen gehen. Das Wochenbett verbrachte ich tatsächlich immer wieder ruhend im Bett, mir blieb vor Schmerz nichts Anderes über. Ich kuschelte dort jedoch nicht mit meinem Kind, sondern hing an der Milchpumpe. Aber was tut man nicht alles für ein bisschen Muttermilch. 
Selbst ich schwarzes Mutterschaf.

Euer trotzdem dankbares schwarzes Mutterschaf

Mittwoch, 6. Januar 2016

Rückblick - Schwangerschaft und Geburt


Da unser Lämmchen ja nun schon gut 6 Monate alt ist, steige ich mittendrin ein und dem verehrten Leser (sofern vorhanden) fehlt ein wenig die Vorgeschichte. Das will ich nun mal nachholen:

Meine biologische Uhr hat mit 37 Jahren dann doch irgendwann zu ticken angefangen. So haben wir (Papabock und ich) alle Barrieren beseitigt und wollten gemütlich der Dinge harren, die aufgrund meines Alters vielleicht schon ihre Zeit brauchten. Pustekuchen! Quasi direkt bei der ersten Möglichkeit einen Treffer gelandet. Wie die jungen Hasen oder wie der Schafsbock meint: wir sind eben Fruchtzwerge. ;) 

Bis auf die leichte bis mittlere Übelkeit und Kreislaufprobleme anfangs war die Schwangerschaft richtig schön. Ich habe die Zeit genossen und die Termine bei der Frauenärztin geliebt. Nur ging es dann eben immer näher an den Geburtstermin. Ich schwankte zwischen Panik und Gelassenheit hin und her. Hier noch schnell ein Buch über Hypnobirthing überflogen, da noch schnell Pfefferminzöl besorgt, das angeblich das Schmerzempfinden beeinflussen sollte. Alleine, dass ich mich ernsthaft mit solchen Dingen beschäftigte, zeigt meine Angst damals.

 
Und dann, eines nachts, zwei Tage nach dem Entbindungstermin ging es los. Kurz nach einem Alptraum machte es PLOPP und die Fruchtblase platzte. Da ich noch keine Wehen hatte, spazierten der Papabock und ich schwarzes Schaf gelassen in die nahegelegene Klinik. Morgens tat sich noch immer nicht viel und ich begann die Wehen schon fast herbeizusehnen. Während wir dann brav im Krankenhaus Treppen liefen, ging es endlich damit los.

Nach einigen Stunden war ich so weit, dass ich mich durch die „Geburtswellen“ durchschnaufen musste. Ich dachte, ich könne den Schmerz annehmen, ihn einfach als körperlichen Arbeitsprozess sehen … Pustekuchen! Es tat einfach nur sauweh, es war scheiße und ich wurde immer erschöpfter.
Am CTG dann die frustrierende Nachricht: 
1 Zentimeter!
Diese ganzen Schmerzen über Stunden für einen einzigen läppischen Muttermund-Zentimeter?!

Schließlich begannen die Herztöne von unserem Lämmchen bei jeder Wehe abzufallen. Da auch Weichmacher nichts an meinem wie verbarrikadierten Muttermund ändern konnten und man so nicht nachsehen konnte, wie schlecht es dem Kind wirklich ging, blieb nur eines: Kaiserschnitt.

Und soll ich euch was sagen? Ich war dankbar dafür. Zum Einen natürlich, dass es die Möglichkeit gab etwas zu tun, dem Kind helfen zu können. Zum Anderen, ich gebe es zu, war ich dankbar diese Wehen nicht mehr erdulden zu müssen. 
Mit diesen Gedanken wurde ich dann vom schwarzen Schaf zum schwarzen Mutterschaf.

Innerhalb von 15 Minuten lag ich am OP-Tisch. 2 Minuten später hörte ich ihren, Lämmchens ersten Schrei. Die meisten Mütter kennen dieses Gefühl. Es ist unbeschreiblich. Es ist wie Lachen und Weinen zugleich und so viel mehr. Diese Empfindung ist das mit Abstand Größte und Schönste, das ich je in meinem Leben gespürt habe.

Danke Lämmchen, dass du lebst und in mein Leben getreten bist!

Euer liebendes schwarzes Mutterschaf.


Was es mit dem Kaiserschnitt auf sich hatte und wie es mir damit danach erging könnt ihr hier nachlesen.