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Samstag, 25. Juni 2016

Lebenszeichen



Wie ihr vielleicht bemerkt habt war es etwas still hier die letzten Tage. Keine Sorge, es ist nichts passiert. Ich brauchte einfach nur eine Blog-O-Auszeit und bin mir auch jetzt noch nicht so sicher ob und wie ich den Blog weiterführe bzw. in welcher Frequenz ich derzeit schreiben möchte. Ich habe zwar tagsüber viele Ideen, aber dann mit Kind natürlich nicht die Zeit alles so schreiben wann und wie mich die Muse packt. Und wenn ich dann mal Zeit habe wär noch so viel anderes zu tun oder es drängt mich immer weniger an den PC.


Ich halte euch trotzdem mal auf dem Laufenden wie es bei uns gerade so aussieht. Lämmchen wird bald ein Jahr alt und ist einfach zuckersüß. Zwischen den Schüben und ohne zahnen war sie die letzten Wochen so lieb und eigenständig, ich konnte manchmal sogar ein Buch lesen, wenn sie spielte und zwar so, dass es sich wirklich ausgezahlt hat und ich ein paar Kapitel am Stück geschafft habe. Ich lese übrigens gerade Alfie Kohn – Liebe und Eigenständigkeit. Also noch mehr Unerzogen-Gedöns. Ich freunde mich damit immer mehr an, wenn auch mit Vorbehalten. Mein Partner hält von all dem nur bedingt etwas, er möchte da lieber auf seinen „gesunden Hausverstand“ vertrauen. Lämmchen ist selbst jetzt im Schub noch die meiste Zeit trotz kleinerer Wutanfälle sehr umgänglich. Vom Mittagsbrei hat sie sich selbst entwöhnt und so mussten wir etwas schneller als geplant auf Fingerfood und Familientisch umstellen. Sie isst das meiste wirklich mit Begeisterung, allerdings macht die Verdauung nicht so mit, wie sie sich alles reinstopfen möchte. Der Stuhlgang kommt ordentlich durcheinander, der Po ist oft wund, sodass ich rohes Obst jetzt erst mal wieder vom Speiseplan gestrichen habe und mit dem Rest noch experimentiere. Und ja, ich hab sogar auch schon hin und wieder gekocht, kindtauglich natürlich, entsprechenden Rezeptbüchlein sei dank. Lämmchen steht manchmal für ein paar Sekunden frei und läuft an Mauern und Möbelstücken entlang, an der Hand gehen mag sie aber noch nicht so recht. Sie kann schon seit gut zwei Monaten Mama und Papa sagen, aber benutzt die Wörter so oft in unterschiedlichen Situationen, dass ich nicht weiß wann sie die richtige Bedeutung genau verstanden hat und was diese Wörter noch für sie bedeuten. Katze und Ball kann sie ebenfalls erkennbar sagen und versteht auch schon einige Wörter wie Hund (ist bei ihr der Wau), Vogel, Banane, Auto … und kann auf diese Dinge auf Nachfrage z.B. in Büchern zeigen, zumindest hin und wieder. ;) Bälle sind sowieso das Highlight für sie, man kann mit ihr auch schon ein wenig Ball hin und her rollen spielen. Sie ist ein absolut soziales Wesen. In Straßenbahn und Bus kann sie vor Freude quietschend ganze Abteile unterhalten und schäkert gerne mit jedem Fremden, der zurück lächelt. Auch andere Kinder mag sie. Von lieb sein bis hauen oder einfach nur für sich nebeneinander spielen, das handhabt sie dann aber ganz unterschiedlich. Der Laufstall hat Schlupfsprossen und ist die ganze Zeit offen, Lämmchen kann da rein und raus wie sie möchte. Auch das Tragen klappt wieder und ich bin regelmäßig im Veedel (Kölsch für Stadtviertel) mit Lämmchen in meiner Manduca unterwegs. Für längere Unternehmungen ist aber dann der Buggy wieder das Transportmittel meiner Wahl. Lämmchen hat ihre Tagesschläfchen erst von drei auf zwei und jetzt sogar auf einen pro Tag reduziert. Wir hatten jetzt einige Tage, an denen sie nachts von 19-8 Uhr durchschlief, von einigen Schlafmaunzern abgesehen. Allerdings ist das recht fragil, schläft sie mal nicht so lange oder tagsüber nur eine Stunde, weiß ich nicht so recht wie sie mit einem Schläfchen so über den Tag kommen wird. Aber es ist ja sowieso alles nur eine Phase, nicht wahr? ;) 





Euer schwarzes Mutterschaf

Samstag, 14. Mai 2016

Ein österreichisches Zähnchen und Schläfchen- und Laufstall-Beichten!



Lämmchen und das schwarze Mutterschaf in Österreich

Unsere Tage in Österreich sind nicht besonders spektakulär. Nach den letzten turbulenten Tagen bin ich aber auch ganz dankbar dafür. Nach dem schwarzen Muttertag haben meine Mutter und ich auch doch bald wieder unseren normal herzlichen Umgang miteinander wiedergefunden. Die ersten Tage nach dem Muttertag fühlte ich mich allerdings sehr alleine hier in Österreich. Denn so ein fieser Magen-Darm-Virus hat auch meine Mutter und meine Nichte niedergestreckt. Wenn der Virus wirklich von Lämmchen kam, dann ist sie die reinste Biowaffe! Also musste ich mich wieder um eine Kranke kümmern bzw. sie vor allem schlafen lassen und war die ganze Zeit mit Lämmchen allein. Nach der Genesung wurde es zum Glück etwas besser, meine Nichte und meine Schwester kamen zumindest nach der Arbeit bzw. der Schule auf einen kurzen Sprung vorbei. Das Wetter war hier in Österreich leider nicht so schön wie in Deutschland und so konnte ich auch nicht so viel mit Lämmchen unterwegs sein. 
Aber nun ist ja Pfingsten und ich kann etwas mehr Zeit mit meiner restlichen Familie verbringen. Meine Nichte ist mit ihren 11 Jahren wirklich die perfekte Babysitterin und Lämmchen strahlt sie mit einer solchen Begeisterung an, es ist wirklich eine Wonne die beiden zu beobachten und wirklich eine große Entlastung für mich.

Lämmchens Beisserchen

Lämmchen war ja in der letzten Zeit besonders anspruchsvoll und anstrengend, so sehr, dass ich schon gar nicht mehr glauben konnte, dass es wirklich nur am Schub lag.  Und als sie noch mehr sabberte als sonst, konnte ich das obligatorische „Sie bekommt sicher Zähne.“, auch nicht mehr so von der Hand weisen. Also sind wir Lämmchen mit Löffel und Taschenlampe zuleibe gerückt und haben mal wieder den Kampf mit ihrer Zunge aufgenommen, die irgendwie automatisch jeden Blick auf die unteren Zahnreihen verhindern will. Zumindest ein kleines neues Zähnchen haben wir entdeckt! 
Stimmt das doch immer wieder… immer diese Zähne!!! 
Jetzt wo es durchgebrochen ist, hellt sich die Stimmung meiner Kleinen auch wieder merklich auf.

Die Schläfchen-Beichte

Was bei Lämmchen noch immer durcheinander ist sind die Tagesschläfchen. Irgendwie schläft Lämmchen tagsüber auf einmal länger und hält nicht mehr ganz so lange durch wie sonst. Was zur Folge hat, dass der Tag für ihre drei Schläfchen irgendwie zu kurz ist und sie abends quietschfidel und vor 21-22 Uhr nicht ins Bett zu bekommen ist. Also ich weiß ja nicht ob ich jetzt ein großes Sakrileg beichte oder ob andere das auch machen … aber wenn das mit den Tagesschläfchen so aus dem Ruder läuft, dann versuche ich da schon „korrigierend“ einzugreifen. Zum einen liegt es ja sowieso immer an dem variablen und persönlichen Empfinden ob man ein Kind beim allerersten Müdigkeitsanzeichen gleich ins Bett verfrachtet oder ob man sich etwas Zeit lässt und die eine oder andere Müdigkeitswelle abwartet, bis es dann doch wieder ein Weilchen klappt mit dem wach und fit sein. Und zum anderen kürze ich manchmal - wenn auch mit schwerem Herzen - das letzte Schläfchen ein bisschen ab, wenn ich merke, dass das Ganze hinten raus zu viel des Guten wird. 
Bin ich nun wieder das absolut schwarze Mutterschaf oder gilt das noch als sozial akzeptiert? Jedenfalls war meine Intention gestern die drei Tagesschläfchen zu zweien zu machen, damit ich das Kind früher ins Bett bekomme. Da das Kind derzeit tagsüber mehr als die übliche halbe Stunde schläft, ist das überhaupt möglich. Das mit den zwei Tagesschläfchen hat dann auch super geklappt, früher ins Bett bekommen hab ich das Kind trotzdem nicht. Dafür ist Lämmchen morgens zwei Stunden früher aufgewacht! 
Tsss. So war das nicht geplant!

Die Laufstall-Beichte

Und noch etwas muss ich schwarzes Mutterschaf beichten. Für mich persönlich ist ein „Laufstall“ einfach absolut notwendig. Ich möchte das Kind einfach unkompliziert und auf die Schnelle sicher aufgehoben wissen, wenn ich mal eben etwas erledigen muss, das mit Kind nicht so einfach geht. Ja, ich nehme mir ein wenig persönliche Freiheit auf Kosten der Freiheit des Kindes heraus. Das brauche ich einfach und darauf möchte ich nicht verzichten. Aber weil man damit heutzutage ja viel zu sehr den Entdeckerdrang und Persönlichkeitsrechte des Kindes beschneidet, versuche ich Lämmchens Zeit in ihrer Sicherheitsverwahrung wirklich auf ein Minimum zu reduzieren. 
Ist doch gut so, denkt ihr? 
Pustekuchen! 
Das Ganze hat nämlich einen Haken! Da ich das Kind da wirklich nur reinsetze, um schnell was erledigen zu gehen und sie danach gleich wieder raushole, ist es für Lämmchen bei weitem nicht so entspannt wie es sein könnte. Jetzt hat sie nämlich gelernt, dass ich weggehe, wenn sie da rein kommt und ist sofort absolut untröstlich. Und sobald sie nur meine Schritte hört und mich sieht, ist sie absolut untröstlich bis sie nicht wie erwartet sofort wieder rausgehoben wird. Das heißt, dass ich auch nicht mehr in die Nähe des entsprechenden Zimmers kann, um noch etwas zu holen, zu erledigen o.ä. ohne eine mittlere Tragödie auszulösen. Das Ganze ist so nicht schön für Lämmchen, dabei weiß ich, dass es auch ganz anders gehen kann. Ich habe sie heimlich in dem Ställchen schon so hochkonzentriert und zufrieden spielen sehen! Und ich sehe wie viel Spaß sie da drin haben kann, wenn einer meiner Familienangehörigen sie da rein setzt. 
Nur eben bei mir nicht.
Und wisst ihr was? 
Dieses Mal pfeife ich auf das ganze „ein Baby braucht die absolute Freiheit“-Gedöns. Ich setze Lämmchen nun auch immer wieder mal so in den Laufstall und setze mich neben sie, spiele mit ihr, beobachte nur, ziehe mich auch mal etwas im gleichen Raum zurück oder mache auch mal kurze Erledigungen in anderen Räumen. Und es stellen sich auch langsam Erfolge ein! Es ist nur noch ab und an Stress für Lämmchen, sie geht gelassener damit um und freut sich manchmal einfach nur darauf nun an das Spielzeug zu kommen, an das sie nicht immer kann oder an dem Gitter stehen und seitwärts gehen zu üben. 

So, jetzt aber genug gebeichtet. Jetzt seid ihr dran! Ich werde ja nicht die Einzige sein, die nicht politisch korrekt ist oder? ;)

Euer Songcontest guckendes schwarzes Mutterschaf

Sonntag, 1. Mai 2016

Das Buch „Geborgen wachsen“ von Susanne Mierau mit dem schwarzen Mutterschaf


 
Ich hatte es euch ja schon angekündigt. Auch ich konnte meine Neugier nicht zügeln und hab mir ein Buch des bekannten gleichnamigen Blogs (http://geborgen-wachsen.de/) besorgt. Ich kannte ja schon einige ihrer Blogposts und freute mich schon sehr darauf nun ihr Buch zu lesen. Während Lämmchen neben mir spielte wollte ich dann nur kurz einen Blick hinein werfen und zack, schon konnte ich nicht mehr aufhören. Irgendwann wurde meine Kleine dann auch darauf aufmerksam und wir lasen zusammen. Gut, natürlich nur kurz. Lämmchen waren da einfach zu wenige Babybilder drin. Aber sonst fand sie es auch gut. Und vor allem lecker! ;)

Keine Sorge, bevor mein Mädchen das Buch ganz verschlingen konnte, hab ich es noch fertig gelesen. Und ich will euch heute davon erzählen. Wie schon viele andere vor mir im Netz. Aber ich schwarzes Mutterschaf lege meine Aufmerksamkeit wahrscheinlich auf ganz andere Punkte.

Als allererstes: Susanne Mierau ist eine Anhängerin des Attachment Parenting. Sie möchte möglichst natürlich gebären, stillt, trägt, hält ab, benützt Stoffwindeln, gibt ausschließlich Fingerfood, ... 
und sie schreibt darüber wie man Geborgenheit schafft. Und sie schreibt nicht nur darüber. Sie schafft sie selbst. Die Geborgenheit. Beim Lesen. Man fühlt sie, die Geborgenheit. Ich weiß nicht wie diese Autorin es macht, aber sie schafft es eine klare Richtung zu geben, dabei aber immer offen, respektvoll und verständnisvoll zu bleiben, wenn auch mal andere Wege eingeschlagen werden.

Ich habe ein paar einzelne Punkte herausgepickt, die sich teilweise sehr auf mich persönlich und/oder die besagten anderen Wege beziehen. Sie spiegeln also nicht die Gesamtheit des Buches wieder:

„Geborgen gebären, geborgen ankommen“

Bezüglich der Geburt geht die Autorin natürlich überwiegend darauf ein wie man diese im Idealfall gestalten kann. Aber auch zum Kaiserschnitt kann sie konstruktiv beitragen: „Jede Mutter wählt die Geburtsart, von der sie überzeugt ist, dass sie das Beste für sich und das Kind darstellt“. Sie scheut sich auch nicht Tipps für ein besseres Wohlbefinden bei einem geplanten Kaiserschnitt zu geben. Desweiteren geht es nicht nur um die magische erste Stunde Bonding: „Doch auch danach lässt sich Bindung wunderbar herstellen (…). Es ist nicht so, dass nur diese ersten Stunden zählen und für immer das Leben beeinflussen. Sie können ein hilfreicher Baustein sein, sind aber nicht das Fundament der Bindungsfähigkeit.“ 

„Geborgenheit über Sprache vermitteln“

Eine Basis der Geborgenheit ist für Mierau das Verstehen des Babys und das Geborgenheit über Sprache vermitteln. Hier habe ich zwei Aspekte aufgegriffen, die bei mir grade besonders aktuell sind und die ich mir immer wieder vor Augen halten möchte: „Auch Babys dürfen ihre Lallphase in Ruhe zu Ende bringen, bevor wir sie imitieren, um sie zum Weiterbrabbeln zu animieren.“ Ja, ich bin meiner Kleinen schon mal etwas zu ungeduldig in die Brabbelparade gefahren, um nur ja prompte Antwort zu geben und sie zum Weiterbrabbeln zu animieren. Danke dem Buch ist mir das bewusst geworden und ich achte nun besser darauf. :)
Und da ich ja ein kleines Entdecker-Krabbel-Lämmchen zu Hause habe: „Wenn wir hingegen jedem „Nein“ auch eine Begründung mitgeben, können wir uns selbst dabei unterstützen, herauszufinden, ob dieses „Nein“ auch wirklich notwendig ist.“ Auch hier arbeite ich schrittweise daran meine „Neins“ zu minimieren. (Ein Türschutzgitter für einen abgesicherten Katzen-Utensilien- und -Rückzugsbereich ist bestellt. Der Katzenbrunnen und das Katzenklo sind einfach ein zu großer Magnet. ;))

„Gemeinsames Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme“

Natürlich ist für Mierau Stillen das vorzuziehende Nahrungsmittel. Sie akzeptiert aber auch, dass Frauen ihre Gründe haben nicht zu stillen. „Haben diese Familien schlechtere Voraussetzungen für den Aufbau einer sicheren Bindung? Nein.“ Punkt. Dem ist für mich nichts hinzuzufügen. Die Autorin kann an dieser Stelle jedoch noch einige Tipps zu geborgener Flaschenfütterung beitragen.
Bindung als wichtiger Teil von Geborgenheit findet für die Autorin vor allem im Alltag statt und dies kann dann entsprechend flexibel ablaufen: „Wie wir im Alltag auf die Bedürfnisse des Kindes reagieren, ob wir Brei geben oder Fingerfood, ob wir tragen oder schieben, ist nur die Ausgestaltung des Rahmens der Wahrnehmung von Bedürfnissen.“ Ein bisschen viel „oder“ und gar kein „und“. Aber ich nehme mal an Mierau wollte den Text einfach halten, da es ihr im Grunde um etwas anderes geht: „Auch wenn die breifreie Beikost viele Vorteile hat, gibt es auch Eltern, die lieber Brei füttern möchten und für die dies die entspanntere Form der Beikosteinführung ist. Und genau das ist wichtig, wenn es darum geht, dass unsere Kinder den Umgang mit Nahrung lernen: dass wir entspannt sind.“ DAS ist absolut meine Rede, ich würde das sogar noch von der Nahrung auf die Welt ausweiten. Wenn wir entspannt sind, wenn es uns gut geht, dann überträgt sich das direkt auf das Kind. Niemand von uns kann vor dem Kind ständig verstecken und verdrängen wie ausgepowert und gestresst wir sind. Wenn wir möchten, dass die Kinder möglichst entspannt und damit auch glücklich und geborgen groß werden, dann müssen wir uns auch mal um uns selbst kümmern und auch an die eigenen Bedürfnisse im Umgang mit dem Baby denken. Für Susanne Mierau bedeutet das, dass auch Breikost damit völlig in Ordnung geht, solange diese Gelassenheit gegeben ist. Für mich schwarzes Mutterschaf bedeutet das, dass ich sogar so dreist bin diesen Bogen weiter bis hin zum Gläschenfüttern zu ziehen. Es entspannt mich ungemein, meine Zeit nicht mit für mich enervierender Essenszubereitung verbringen zu müssen.


„Körperpflege eine Zeit des Miteinanders“

Zu den Wegwerfwindeln zeigt sich die Autorin ebenfalls wieder offen: „Achtsame Babypflege ist auch mit Wegwerfwindeln möglich, wenn Eltern auf die Signale ihres Kindes achten und zugunsten der Körperpflege tägliche Zeiten an der frischen Luft ohne Windeln einbauen.“ Hier freue ich mich schon auf sommerliche Temperaturen, wo das leichter und auch draußen praktizierbar ist. Das Wickeln war bei uns eigentlich lange eine sehr schöne Angelegenheit, ich konnte mit Lämmchen im Rahmen der Körperpflege besonders gut spielen, interagieren, streicheln und sie an Körpererfahrungen teilhaben lassen. Seit sie aber krabbeln kann ist ihr Bewegungsdrang enorm gestiegen und ihr fehlt nun ein wenig die Ruhe dafür. „Das Kind braucht kein Mobile, das es von der Situation ablenkt, es braucht kein Spielzeug am Wickelplatz. Das Wickeln allein ist Spiel und Aufregung genug.“, sagt Mierau. Beides brauchten wir bei Lämmchen auch nicht, bis die gesteigerte Bewegungsfreude eintrat. Hier versuche ich jetzt also so gut es geht das Spielzeug wieder auszuschleichen und das Wickeln interessant genug zu gestalten, um sie bei der Sache zu halten. Das klappt je nach ihrer Stimmung mal mehr und mal weniger gut. Es ist immer noch anstrengend für mich uns beide beim Wickeln entspannt zu halten. Leider irgendwo ein Widerspruch. Aber in process. ;)

„Familien müssen mobil sein – aber wie?“

Tragen hat viele Vorteile, wenn es bei beiden Beteiligten fluppt. Das kann auch die Autorin sehr schön ausformulieren. Aber auch für den Kinderwagen im Alltag kann sie Positives finden: „Die Unterstützung durch einen Kinderwagen kann deswegen hilfreich und entlastend sein – und eine Entlastung des Alltags kann sich wiederum positiv auf die Stimmung und Interaktion auswirken.“
 

„Jedes Bild hat einen Rahmen – über Grenzen“

Was mich überrascht hat war ihre eigentlich recht konkreten Ansagen im Bereich zu Erziehung und Grenzen. Lämmchens Erziehung hat eigentlich noch nicht richtig angefangen, aber natürlich mache ich mir auch schon Gedanken darüber und versuche mich hier im Dschungel der Ansätze und Möglichkeiten zurecht zu finden. Das „aufgeklärte“ Nonplusultra ist heutzutage wohl die Variante a lá „unerzogen“ (hierzu z.B. mehr in dem Blog https://diephysikvonbeziehungen.wordpress.com/), im Sinne von: Kinder möglichst wachsen lassen wie und wohin sie wollen. Die Eltern sorgen dabei für einen möglichst großen und sicheren Rahmen in dem z.B. die Inhalte „Erziehung, Grenzen, Konsequenz, Regeln oder Neins“ verpönt sind. Ich finde das grundsätzlich spannend, vom theoretischen Ansatz her. Allerdings ist mir das alles so wenig greifbar, mir fehlen die konkreten Beispiele im Alltag und so bin ich mir nicht sicher wie weit dieser Weg für mich gehbar sein kann. Mierau jedoch scheut sich nicht Klartext zu sprechen: „Im Alltag müssen wir unseren Kindern Grenzen klar kommunizieren: Manche Dinge sind nicht verhandelbar, und kleine Kinder sind von einem Entweder-oder oder einem „könnte“ eher überfordert. Sie können Entscheidungen noch nicht alleine treffen. Oder besser: Sie müssen Entscheidungen nicht treffen, denn dafür sind wir ihre Eltern.“

„Fördern oder Fordern?“

Auch bezüglich dem Leistungsdenken und Baby-Kurs-Förder-System hat die Autorin etwas beizutragen: „Wir fördern, anstatt im Alltag ausreichend Gelegenheiten zu bieten, die das Kind fordern.“ Also kein schlechtes Gewissen, wenn die eine Bekannte viel mehr Kurse mit dem Baby belegt hat als man selbst. Hat ein Kind einen reichhaltigen Alltag reicht dies völlig aus. Lämmchen und ich besuchen eine geschlossene Krabbelgruppe und eine offene, weil ich ihr den Umgang mit mehreren anderen Erwachsenen und Kindern nicht so ausgeprägt bieten kann. Ich sehe wie sehr sie dabei aufblüht, da sie ein sehr soziales Wesen ist. Ein wenig schlechtes Gewissen hatte ich, weil wir keinen vielbesungenen „Baby-Schwimmkurs“ besucht haben und hier nimmt Mierau wirklich ein wenig den Druck.

„Geborgen Schlafen“

Natürlich ist auch Schlaf ein Thema des Buches. „Vermitteln wir ihnen (den Kindern) Sicherheit und Ruhe und sind verlässlich bei ihnen, wenn sie sich ängstigen, lernen sie mit der Zeit sich selbst zu beruhigen. (…) Deswegen bedeutet geborgenes Schlafen nicht nur, dass Babys im ersten Jahr in der Nähe der Eltern schlafen dürfen.“ Bei dem ersten Teil bin ich noch ganz bei der Buchautorin. Ich möchte mein Baby nicht schreiend alleine lassen. Das ist grausam und einfach nicht notwendig. Sobald Lämmchen heult oder schreit, bin ich binnen einiger Sekunden bei ihr. Meine Kleine bringt von Haus aus ein relativ hohes Sicherheitsgefühl mit, das durch unsere Ruhe und unser Dasein (wenn notwendig) noch verstärkt worden ist. Denn sie war immer schon sehr entspannt, konnte auch oft einfach abgelegt werden und da einschlafen wo sie grade war, mit uns und dem Leben rundherum. Eines Tages, etwa mit zwei, drei Monaten klappte das plötzlich nicht mehr so. Sie quälte sich mit dem Einschlafen. Ich zerbrach mir den Kopf darüber welches scheinbar unerfülltes neues Bedürfnis dahinter stecken musste. Ich probierte herum woran es liegen konnte. Mein Bauchgefühl sagte mir schließlich, dass sie vielleicht mehr Ruhe brauchte. Und so rollte ich unser Beistellbettchen auch tagsüber vom belebteren Wohnzimmer zurück in das ruhige und etwas abgedunkelte Schlafzimmer, legte mein müdes Mädchen dort ab, zog mich zurück und wartete ab.  Lämmchen schlief ansatzlos ein. Und das mehr oder weniger noch bis heute.  (Wenn nicht, dann ist sie einfach noch nicht müde genug oder es liegt aufgrund Schub, Zahnen etc. eine Ausnahmesituation … vor. ;)) 
Wenn sie nachts wach wird und heult, dann komme ich und lege ihr beispielweise meine Hand auf die Brust. Hin und wieder hält meine Kleine meine Hand fest, zeigt, dass sie die Berührung gerade besonders braucht. Manchmal schläft sie mit dieser Berührung dann ein. Manchmal schiebt sie meine Hand aber auch bewusst weg und dreht sich zur Seite. Dann weiß ich, dass sie nun einfach in Ruhe einschlafen möchte und ich mich zurückziehen kann. Lämmchen verbrachte also schon nach zwei, drei Monaten die ersten Stunden der Nachtruhe in unserem Schlafzimmer alleine, bis wir selbst ins Bett gingen. Neuerdings mit den getrennten Schlafzimmern verbringt sie grundsätzlich die ganze Nacht allein. Die Buchautorin zieht diesbezüglich eine magische Grenze mit einem Jahr. Bis dahin schlafen die Kinder geborgen in der Nähe der Eltern. Danach wohl auch geborgen in getrennten Zimmern. Ich weiß nicht ob diese Grenze als ungefähre Richtlinie oder als Minimum gedacht ist oder mit welchen Überlegungen sie festgelegt worden ist. In unserem Fall unterschreite ich dieses Limit um ca. 2 Monate. Zwei Monate, die ich in unserem Fall als durchaus gerechtfertigt sehe, eben weil mein Kind immer schon sehr entspannt mit dem Alleineschlafen umgegangen ist (solange jemand kommt, wenn sie es braucht). 

„Eltern und Kinder zuerst“

Besonders schön (und) zu meinem Blog passend finde ich das abschließende Thema: Eltern und Kinder zuerst. „Es stimmt nämlich nicht, dass die Kinderbedürfnisse über allem stehen. Wenn ich glücklich bin, kann ich auch einen entspannten und glücklichen Tag mit meinem Kind verleben.“  
Und weiter plädiert sie: „Es gibt kein Besser oder Schlechter, weil wir von außen die wirklichen Beweggründe für Entscheidungen, die andere Eltern treffen, nicht kennen oder sie vielleicht aus unseren Erfahrungen heraus gar nicht nachfühlen können. Deswegen steht uns auch keine Bewertung dessen zu, was für jede einzelne Familie richtig wäre.“ 
 Es geht auch nicht darum Supereltern zu sein und jederzeit alle Bedürfnisse des Kindes prompt zu befriedigen. Man sollte dem Baby auch die Gelegenheit geben, Selbstregulation zu erlernen und zu erfahren. Die Autorin bringt an dieser Stelle auch das Beispiel mit dem selbstständigen nächtlichen Wiederein- bzw. umgangssprachlichen Durchschlafen. Sie teilt grundsätzlich die Meinung von Donald Winicott, der eine „ausreichend gute Mutter“ der „zu guten Mutter“ vorzieht.

„Schlusswort“

„Doch der Weg in eine glückliche Kindheit kann auch ganz anders aussehen. Er kann in einer Klinik beginnen, mit künstlicher Säuglingsnahrung weitergeführt werden und ganz ohne Abhalten und Stoffwindeln und ohne Tragetuch passieren.“
Das ist es was ich meine. Mit den ganzen (modernen aber auch alten) „Erziehungs“-Ansätzen in der Baby- bzw. Kinderwelt kommt schnell der Gedanke auf, diejenige die diese oder jene Praxis erfüllt ist eine bessere Mutter als jene die es nicht macht – oder umgekehrt.
Jeder kann sich den Ansatz suchen, der am besten zu einem passt. Es ist weniger das was, es ist das wie. Was nützt es dem Kind wenn es alleine geboren, getragen, gestillt, abgehalten etc. … wird, wenn die Mutter gestresst, erschöpft, launisch, frustriert oder cholerisch ist? (Dass wir das alle mal sind und sein können, steht dabei außer Frage, ich spreche von überwiegend dauerhaften Zuständen.)

Beenden möchte ich meinen literarischen Ausflug mit folgendem Abschlusssatz der Autorin: „Bleiben unsere Augen offen und unsere Herzen bereit, unseren Alltag immer wieder neu aus der Kinderperspektive zu betrachten, haben wir damit die einzig wirklich wichtigen Zutaten für ein geborgenes Aufwachsen gefunden.“

Wie bereits eingangs erwähnt, war dies eine sehr persönliche und spezielle Rezension des Buches „Geborgen Wachsen“ von Susanne Mierau. Wer neugierig geworden ist und noch mehr wissen will: Das frühe Vogerl verlost bis zum 3. Mai  ein paar Exemplare des Buches:  

Euer sich schon nach dem nächsten Buch umsehendes schwarzes Mutterschaf





Donnerstag, 21. April 2016

Schlaf 2.0 - Ein tiefer Einschnitt, der eigentlich keiner ist



Nachdem es beim Zahnen etwas anstrengend wurde und Lämmchen öfter in meinem Bett schlief als mir lieb war und ich entsprechend noch schlechter schlief als sonst, habe ich einen Entschluss gefasst. 

Ich hatte es so satt nachts, heimlich, im Dunkeln in mein Bett schleichen zu müssen, um sofort zu schlafen. Keine Gespräche, ja geschweige denn Kuscheln und mehr mit dem Partner waren dort möglich. Kein Lesen von Büchern im Bett bis die Augen müde werden. Jeden Huster, jeden Nieser, jedes Hüsteln oder Kratzen im Hals musste ich mir verkneifen. Ich musste mich dafür raus schleichen oder wenn ich das nicht mehr geschafft habe, dann musste ich riskieren Lämmchen zu wecken und hochschrecken zu lassen. Zudem kommt es öfter vor, dass das Kind nachts im Schlaf kurz aufheult. Ich bin jedes Mal dabei hochgeschreckt, voller Adrenalin. Mein Baby schlief selig weiter, ich lag dann erst mal hellwach.

Ich war erschöpft, ich wollte das nicht mehr. Ich wollte wenigstens ein bisschen meiner Schlaf- und zu Bettgeh-Kultur bewahren, um daraus wieder Kraft schöpfen zu können. Lämmchen soll nun nicht mehr in ihrem Bett neben mir schlafen, sondern in ihrem eigenen Zimmer. Klingt nach einem riesigen Einschnitt. Wie kann man Distanz zu seinem Kind suchen? Es ist nicht natürlich. Es ist viel zu früh. Es widerspricht dem was das Kind braucht. Wirklich? Braucht MEIN Kind es mit mir im gleichen Raum zu schlafen? Ich bin mir da ehrlich gesagt nicht sicher. Denn da meine Kleine mehr oder weniger von Anfang an ohne Probleme gewohnt war alleine einzuschlafen, ergab sich nun eigentlich nichts woraus ich schließen könnte, dass mein Kind sich nun im Nebenzimmer anders oder unglücklicher fühlt. Die Nächte verlaufen gleich wie bisher. Anders ist lediglich, dass es vielleicht ein paar Sekunden mehr braucht bis jemand kommt, wenn sie heult. Wenn sonst nichts mehr hilft, kann sie auch immer noch bei uns im Bett schlafen.

Es heißt bedürfnisorientiert sei das Attachment Parenting. Nun ich denke, wenn ein Bedürfnis in dem Sinn nicht besteht, dann muss ich es auch nicht unbedingt erfüllen, oder? (Ihr seht wie zwiegespalten ich noch bin. Da sehe ich die Eltern, die schon längst getrennte Zimmer praktizieren und das Theater gar nicht verstehen und dort die Eltern, die sich am Attachment Parenting orientieren und vermutlich um meine scheinbar verlorene Verbindung zu dem Kind trauern. Und ich schwarzes Mutterschaf dazwischen! ;))
Aber ich denke der Erfolg gibt mir einfach recht. In meinem Fall, bei meinem Lämmchen. Auch wenn es zwischendurch immer wieder noch anstrengende Nächte gibt, die durchgeschlafenen Nächte häufen sich nun. Und ich spreche nicht von 6 Stunden durchschlafen, ich spreche von 11 Stunden. Quasi Schlafparadies! ;) 
 
Ich schreibe dies erstmals in meinem Schlafzimmer. Eingekuschelt in meine Bettdecke. Gleich werde ich den Laptop einfach zur Seite legen, mich umdrehen und einfach einschlafen. Keinerlei Schlafprobleme derzeit. Liegt an den Tabletten. Nein, keine Schlaftabletten!!! Tabletten gegen meine Pollenallergie. Aber die Wirkung erscheint mir diesbezüglich sehr ähnlich. Trotz der -zurzeit- immer besser werdenden Nächte könnte die ganze Zeit schlafen, nachts sowieso aber auch tags. Ich hätte auch gar keine Skrupel den Haushalt sein zu lassen und während Lämmchens Tageschläfchen mal eben wieder in mein Bett zu kriechen. Aber bei den lediglich 30 Minuten-Päuschen gibt das irgendwie nix!  (Mein Kind kann Powernapping und ich nicht. Ob ich jetzt durch ein Schlafprogramm muss? ;))



Euer dösiges schwarzes Mutterschaf