Dienstag, 17. Mai 2016

OMG! Es ist passiert. Lämmchen hat sich verletzt!



Einer dieser Momente vor denen ich mich so gefürchtet habe. Einer dieser Momente warum ich eigentlich keine Kinder haben wollte. Ich habe ihn mir schlimm vorgestellt und es fühlt sich immer noch viel schlimmer an als ich befürchtete. Diese Sekunde habe ich immer noch vor Augen.

Ich war gerade dabei etwas wegzuräumen, das Lämmchen ggf. gefährlich hätte werden können. Und war diese eine Sekunde abgelenkt, die ich gebraucht hätte, um Lämmchen all das Leid zu ersparen. Diese Sekunde des Begreifens was gleich passiert, in der die Zeit kurz still zu stehen scheint und dann geht plötzlich alles so schnell, dass ich es nicht mehr rechtzeitig geschafft habe. Als ich mir Lämmchen schnappen konnte war es schon dran, ihr Händchen am heißen Ofen meiner Mutter. Was würde ich dafür geben, wenn ich diesen Moment hätte verhindern können. Aber es war zu spät. Lämmchen schrie. Ich lief mit Lämmchen zum Waschbecken, um ihr Händchen unter kaltes Wasser halten zu können. Lämmchen schrie. Ich versuchte klar zu bleiben. Lämmchen schrie. Es fiel mir nicht leicht mit meiner hysterischen Mutter, die ihren halben Speisekammerinhalt auf Lämmchens Wunde machen wollte und meiner Nichte, die die Situation immer wieder grausam treffend analysierte. „Sie muss irrsinnige Schmerzen haben.“ Dieser Satz, meine Gedanken, die Situation. Mein Herz schrie mit Lämmchen vor Schmerz. Ich habe versucht alles richtig zu machen, einen kühlen Kopf zu bewahren und Lämmchens Hand zu kühlen. Ich dachte ich mache alles richtig.

Und dabei habe ich alles falsch gemacht.
Ich habe überwiegend Lämmchens falsches Händchen gekühlt. 

Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag. Zum Glück hatte sich meine Mutter wieder gefangen und übernahm nun das Kühlen der verletzten Hand. Lämmchen hörte auf zu schreien. Und ich hatte das Gefühl ich muss zusammenbrechen. Eine Sekunde Unachtsamkeit ist das eine, aber Lämmchens Leiden unzureichend gelindert zu haben… Ich fand zwei, drei Minuten alleine. Ich musste kurz heulen, ich musste diesen Druck abbauen und schnell wieder funktionieren. Danach ging es etwas besser. 

Wir riefen den Notarzt an. Er sagte uns was zu tun sei, viel mehr könne er erst mal auch nicht machen. Lämmchen hatte mittlerweilen ein Zäpfchen intus und planschte mit ihrem Händchen im kühlen Wasser teilweise sogar vergnügt herum. Es ist erstaunlich wie gut sie mit diesen Schmerzen umging. Mittlerweilen war mein Baby schon ziemlich übermüdet und jedes Mal, wenn ich sie zu Bett bringen wollte bzw. mit ihr in mein Bett gehen wollte, bei jedem liebevollen Beruhigungsprozedere, das sonst funktionierte, schrie sie als hätte sie sich erneut verbrannt. Ich ging wieder kühlen und Lämmchen hatte wieder gute Laune. Das ging mehrere Male so bis mir klar war, dass es nicht der wieder aufflammende Schmerz war sondern dass meine Kleine nach dem Schock zu traumatisiert war für das übliche Einschlafen. Nach einem Telefonat mit meinem Freund, der ja nicht mit nach Österreich gekommen und in Köln geblieben war, ging es mir selber zumindest etwas besser. Er hat so eine ruhige, zuversichtliche Art und hat mir Kraft gegeben. Danach versuchte ich es mal ganz anders. Kein Beruhigungs- und Einschlafprozedere. Ich setzte Lämmchen neben mir ins Bett, ließ das Licht an und gab ihr, ganz pädagogisch wertvoll, mein Handy zum Spielen. Sie hantiert gerne damit herum, befühlt es, klappt es auf, mag es wenn das Display anspringt und die Musterkennung beim darüberwischen vibriert. Sie war so vertieft in ihr Spiel, dass sie nicht merkte wie ich das Licht abschaltete. Bald wurde sie immer ruhiger und irgendwann schlief sie ein, das Handy im Arm und ein Händchen auf meiner Hand …

Lämmchens Nacht war dann einigermaßen erholsam, meine gar nicht. Einerseits konnte ich kaum schlafen, weil sie auf jede meiner Bewegungen es mir bequemer zu machen reagierte und andererseits … Lämmchens Schmerz war anscheinend vorüber, meiner aber noch lange nicht.

Am nächsten Tag war meine Kleine beschämend gut gelaunt. Und das mit einer Brandblase, fast so groß wie ihr halbes Händchen! Sie schien keine Schmerzen zu haben und ich achtete nur darauf, dass sie die schützende Brandblase nicht zu sehr belastete. 

Mittlerweilen waren wir bei der Kinderärztin. Nach einigem Abwägen haben wir uns entschlossen die Blase aufzustechen und zu verbinden. Wenn sie unterwegs oder beim Rückflug aufgegangen wäre, wäre es schwierig alles sicher und schnell zu versorgen. Und Lämmchen ständig vom Krabbeln abhalten zu müssen war auch nicht so ganz das Wahre. Als es zur Sache ging mit dem Aufstechen hielt ich Lämmchen fest und drehte mich weg, den Anblick konnte ich nicht ertragen. Lämmchen heulte und ich befürchtete neues Leid. Aber es war nur das Festhalten. Als Ärztin und Assistentin tatsächlich loslegten wurde meine Kleine ganz still und schaute fasziniert zu was passierte.
Es tut mir so schrecklich weh, wenn ich daran denke, dass Lämmchen solche Schmerzen erleiden musste. (Und es tut auch weh, wenn ich nicht daran denke. Es erschöpft mich ständig.) So unnötig, so grausam. Dafür hat sie das alles aber erstaunlich gut weggesteckt. Der Entwicklungsschub scheint vorbei, das neueste Zähnchen ist raus und mit ihrer Verletzung scheint sie gut gelaunt und ohne größere Probleme klar zu kommen. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass alles gut verheilt.

Vor allem Lämmchens Händchen. 

Aber auch mein Herz muss heilen. Und mein Selbstbewusstsein. 10 Monate war Lämmchen weder krank, noch hat sie sich nennenswert verletzt (Blaue Flecken u.ä. mal ausgenommen). Das hat mir ein gutes Gefühl gegeben, eine gewisse Leichtigkeit, Zuversicht und Stärke für das Kind. Und jetzt ist all das weg. Ich habe das so sehr gebraucht, denn ich habe lange mit mir gehadert ob ich ein Kind möchte, ob ich so etwas schaffe, ob ich mit dieser Verantwortung und Verletzbarkeit klarkomme.

Aber was bleibt mir anderes über. Ich muss mir die Stärke und das positive Gefühl wieder aufbauen. Und mir selbst verzeihen. Und aus meinen Fehlern lernen. Für mein Lämmchen. Aber im Moment kämpfe ich noch. Mit diesem Schmerz, mit dieser Schuld.

Euer erschüttertes schwarzes Mutterschaf





Samstag, 14. Mai 2016

Ein österreichisches Zähnchen und Schläfchen- und Laufstall-Beichten!



Lämmchen und das schwarze Mutterschaf in Österreich

Unsere Tage in Österreich sind nicht besonders spektakulär. Nach den letzten turbulenten Tagen bin ich aber auch ganz dankbar dafür. Nach dem schwarzen Muttertag haben meine Mutter und ich auch doch bald wieder unseren normal herzlichen Umgang miteinander wiedergefunden. Die ersten Tage nach dem Muttertag fühlte ich mich allerdings sehr alleine hier in Österreich. Denn so ein fieser Magen-Darm-Virus hat auch meine Mutter und meine Nichte niedergestreckt. Wenn der Virus wirklich von Lämmchen kam, dann ist sie die reinste Biowaffe! Also musste ich mich wieder um eine Kranke kümmern bzw. sie vor allem schlafen lassen und war die ganze Zeit mit Lämmchen allein. Nach der Genesung wurde es zum Glück etwas besser, meine Nichte und meine Schwester kamen zumindest nach der Arbeit bzw. der Schule auf einen kurzen Sprung vorbei. Das Wetter war hier in Österreich leider nicht so schön wie in Deutschland und so konnte ich auch nicht so viel mit Lämmchen unterwegs sein. 
Aber nun ist ja Pfingsten und ich kann etwas mehr Zeit mit meiner restlichen Familie verbringen. Meine Nichte ist mit ihren 11 Jahren wirklich die perfekte Babysitterin und Lämmchen strahlt sie mit einer solchen Begeisterung an, es ist wirklich eine Wonne die beiden zu beobachten und wirklich eine große Entlastung für mich.

Lämmchens Beisserchen

Lämmchen war ja in der letzten Zeit besonders anspruchsvoll und anstrengend, so sehr, dass ich schon gar nicht mehr glauben konnte, dass es wirklich nur am Schub lag.  Und als sie noch mehr sabberte als sonst, konnte ich das obligatorische „Sie bekommt sicher Zähne.“, auch nicht mehr so von der Hand weisen. Also sind wir Lämmchen mit Löffel und Taschenlampe zuleibe gerückt und haben mal wieder den Kampf mit ihrer Zunge aufgenommen, die irgendwie automatisch jeden Blick auf die unteren Zahnreihen verhindern will. Zumindest ein kleines neues Zähnchen haben wir entdeckt! 
Stimmt das doch immer wieder… immer diese Zähne!!! 
Jetzt wo es durchgebrochen ist, hellt sich die Stimmung meiner Kleinen auch wieder merklich auf.

Die Schläfchen-Beichte

Was bei Lämmchen noch immer durcheinander ist sind die Tagesschläfchen. Irgendwie schläft Lämmchen tagsüber auf einmal länger und hält nicht mehr ganz so lange durch wie sonst. Was zur Folge hat, dass der Tag für ihre drei Schläfchen irgendwie zu kurz ist und sie abends quietschfidel und vor 21-22 Uhr nicht ins Bett zu bekommen ist. Also ich weiß ja nicht ob ich jetzt ein großes Sakrileg beichte oder ob andere das auch machen … aber wenn das mit den Tagesschläfchen so aus dem Ruder läuft, dann versuche ich da schon „korrigierend“ einzugreifen. Zum einen liegt es ja sowieso immer an dem variablen und persönlichen Empfinden ob man ein Kind beim allerersten Müdigkeitsanzeichen gleich ins Bett verfrachtet oder ob man sich etwas Zeit lässt und die eine oder andere Müdigkeitswelle abwartet, bis es dann doch wieder ein Weilchen klappt mit dem wach und fit sein. Und zum anderen kürze ich manchmal - wenn auch mit schwerem Herzen - das letzte Schläfchen ein bisschen ab, wenn ich merke, dass das Ganze hinten raus zu viel des Guten wird. 
Bin ich nun wieder das absolut schwarze Mutterschaf oder gilt das noch als sozial akzeptiert? Jedenfalls war meine Intention gestern die drei Tagesschläfchen zu zweien zu machen, damit ich das Kind früher ins Bett bekomme. Da das Kind derzeit tagsüber mehr als die übliche halbe Stunde schläft, ist das überhaupt möglich. Das mit den zwei Tagesschläfchen hat dann auch super geklappt, früher ins Bett bekommen hab ich das Kind trotzdem nicht. Dafür ist Lämmchen morgens zwei Stunden früher aufgewacht! 
Tsss. So war das nicht geplant!

Die Laufstall-Beichte

Und noch etwas muss ich schwarzes Mutterschaf beichten. Für mich persönlich ist ein „Laufstall“ einfach absolut notwendig. Ich möchte das Kind einfach unkompliziert und auf die Schnelle sicher aufgehoben wissen, wenn ich mal eben etwas erledigen muss, das mit Kind nicht so einfach geht. Ja, ich nehme mir ein wenig persönliche Freiheit auf Kosten der Freiheit des Kindes heraus. Das brauche ich einfach und darauf möchte ich nicht verzichten. Aber weil man damit heutzutage ja viel zu sehr den Entdeckerdrang und Persönlichkeitsrechte des Kindes beschneidet, versuche ich Lämmchens Zeit in ihrer Sicherheitsverwahrung wirklich auf ein Minimum zu reduzieren. 
Ist doch gut so, denkt ihr? 
Pustekuchen! 
Das Ganze hat nämlich einen Haken! Da ich das Kind da wirklich nur reinsetze, um schnell was erledigen zu gehen und sie danach gleich wieder raushole, ist es für Lämmchen bei weitem nicht so entspannt wie es sein könnte. Jetzt hat sie nämlich gelernt, dass ich weggehe, wenn sie da rein kommt und ist sofort absolut untröstlich. Und sobald sie nur meine Schritte hört und mich sieht, ist sie absolut untröstlich bis sie nicht wie erwartet sofort wieder rausgehoben wird. Das heißt, dass ich auch nicht mehr in die Nähe des entsprechenden Zimmers kann, um noch etwas zu holen, zu erledigen o.ä. ohne eine mittlere Tragödie auszulösen. Das Ganze ist so nicht schön für Lämmchen, dabei weiß ich, dass es auch ganz anders gehen kann. Ich habe sie heimlich in dem Ställchen schon so hochkonzentriert und zufrieden spielen sehen! Und ich sehe wie viel Spaß sie da drin haben kann, wenn einer meiner Familienangehörigen sie da rein setzt. 
Nur eben bei mir nicht.
Und wisst ihr was? 
Dieses Mal pfeife ich auf das ganze „ein Baby braucht die absolute Freiheit“-Gedöns. Ich setze Lämmchen nun auch immer wieder mal so in den Laufstall und setze mich neben sie, spiele mit ihr, beobachte nur, ziehe mich auch mal etwas im gleichen Raum zurück oder mache auch mal kurze Erledigungen in anderen Räumen. Und es stellen sich auch langsam Erfolge ein! Es ist nur noch ab und an Stress für Lämmchen, sie geht gelassener damit um und freut sich manchmal einfach nur darauf nun an das Spielzeug zu kommen, an das sie nicht immer kann oder an dem Gitter stehen und seitwärts gehen zu üben. 

So, jetzt aber genug gebeichtet. Jetzt seid ihr dran! Ich werde ja nicht die Einzige sein, die nicht politisch korrekt ist oder? ;)

Euer Songcontest guckendes schwarzes Mutterschaf

Mittwoch, 11. Mai 2016

Die letzte Woche: Krankheiten, Flug nach Österreich, Klassentreffen und ein schwarzer Muttertag



Folgend erzähle ich euch von den letzten Tagen, auch von unserem noch andauernden Österreich-Heimaturlaub. Einen Fotobericht bekommt ihr auch noch, aber erst wenn ich wieder in Deutschland bin, denn hier ist meine Internet-Einrichtung äußerst bedürftig. Wie es im Winter bei uns in Österreich ausgesehen hat und war könnt ihr hier nachschauen.

Lämmchen ist das erste Mal krank

Wie ihr vielleicht auf Facebook schon mitbekommen habt, ist Lämmchen zum ersten Mal seit 10 Monaten krank geworden. Wir waren gerade bei den Quasi-Schwiegereltern Nähe Mannheim, als wir nach einer anstrengenden Nacht mit Lämmchen bemerkten, dass da mehr ist als nur einfache Müdigkeit. Die Kleine schlief tagsüber viel und sackte einem immer wieder gegen die Brust, wenn man sie im Arm hielt, zudem hatte sie eine ordentlich laufende Nase. Wir mussten mit unserem kranken Kind dann noch die Rückreise nach Köln im Zug antreten und unser Baby schlief dabei die meiste Zeit auf Papas Arm. Zu Hause angekommen konnte ich dann Fieber messen, die Kleine hatte 39 Grad. Ich ließ das Fieber arbeiten und sorgte einfach nur, dass Lämmchen schlafen konnte, um sich auszukurieren. Nachts ging das dann irgendwann nicht mehr alleine und so wanderte ich auf die Couch in Lämmchens Zimmer aus und nahm die Kleine zu mir, damit Papabock schlafen konnte. Mein Mädchen schmiegte sich an mich und tastete im Schlaf immer wieder nach mir, ich musste sie laufend ganz eng bei mir halten und schlief selbst wenig und schlecht. So ging das noch einige Nächte und auch Mittagsschläfchen lang, nach dem Fieber kam dann der Durchfall. Zum Glück trank Lämmchen zumindest die Fläschchen mit Milch und Wasser gut, sodass ich mir um Dehydrierung nicht direkt Sorgen machen mussten. Zum Kinderarzt ging ich auf Nummer sicher mit ihr, schließlich wollten wir ja in wenigen Tagen nach Österreich fliegen. Den Durchfall bekamen wir dann mit der empfohlenen Heilnahrung gerade noch rechtzeitig vor dem Flug in den Griff. Dass der Durchfall nicht nur eine Nebenerscheinung vom Fieber bei Lämmchen war, sondern wohl ein Magen-Darm-Virus zusätzlich zum Erkältungsinfekt, merkte ich dann als es Papabock ebenfalls erwischte. So versorgte ich dann zwei Kranke bis auch ich dran war! Glück im Unglück, dass Papabock dann wieder einigermaßen funktionsfähig war und sich um die Kleine kümmern konnte. 

Lämmchen und ihr schwarzes Mutterschaf fliegen zum ersten Mal alleine nach Österreich

Am Tag des Fluges nach Österreich waren unser Baby und ich gerade fit genug, um alles zu bewältigen. Zum Glück hatte Papabock an diesem Tag doch frei bekommen und konnte uns zum Flughafen bringen. Auf dem Weg dorthin fielen einige Treppen und Lifte aus und ich war froh, dass er dabei war. So ganz bei Kräften war ich noch nicht und Lämmchen vorne in der Trage, ein vollbeladener Wickelrucksack auf dem Rücken und dann noch der schwere Koffer hätten mich wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt an meine körperlichen Grenzen gebracht. Beim Check-In schlief Lämmchen dann in der Manduca ein und ich wartete mit der Flughafen-Kontrolle solange es nur ging, damit sie einigermaßen genug Schlaf bekam. Nach einer herzlichen Verabschiedung von Papabock, Lämmchen machte auch ganz rührend „Winke, Winke“, ging es dann alleine durch die Kontrolle. Die Sicherheits-Leute waren freundlich und hielten meine Kleine, was sie ganz spannend fand, sogar abgetastet wurde sie, was ebenfalls lustig für sie war. Mein Wickelrucksack wurde dann auch noch auf Sprengstoff getestet. (Natürlich negativ. ;)) Beim letzten Sicherheitsangestellten, der sie inzwischen hielt,  fremdelte sie schließlich doch ein wenig, aber da war ich zum Glück grade fertig, um sie wieder in die Manduca zu nehmen. Der Flug selbst verlief absolut problemlos, wir blätterten gemeinsam in der Bordzeitschrift oder sie hantierte am Vordersitz herum. Ich kam sogar zu meinem Bordimbiss, während sie an ihrem Zwieback kaute. Wickeln bot sich auch an und ich nutzte dafür die Zeit im Flugzeug. Es war ganz schön eng, aber da es Lämmchen glücklicherweise vor Ort ganz interessant fand, klappte auch das problemlos. Selbst am Kofferband fluppte es, mein Koffer kam als erstes und wir wurden freudestrahlend von meiner Nichte und meinem Schwager empfangen. 

Lämmchen kommt zum zweiten Mal in der österreichischen Familie an

Auf der einstündigen Autofahrt vom Flughafen zu meinem Heimatort, konnte Lämmchen prima schlafen und so war sie fit, um ihre Großmutter ein zweites Mal wieder neu kennenzulernen. Meine Mutter,  meine Schwester mit meinem Schwager und meine Nichte saßen dann im Garten und wir plauderten während Lämmchen Haus und Hof inspizierte. Ein wenig Action gab es dann noch als ein Lama auf der Wiese in unserem Garten ausgebrochen ist (früher waren es Kühe, die Zeiten ändern sich eben ;)). Aber immerhin konnte Lämmchen so auch mal ganz nah dran an das wieder eingefangene Tier und es streicheln.

Des schwarzen Mutterschafs erstes Klassentreffen

Gleich am nächsten Tag stand mein erstes Klassentreffen an. Da ich sowieso die ganze Zeit mit Lämmchen zu tun hatte, die zur Zeit etwas anspruchsvoller ist und mitten im Schub steckt, hab ich mir da gar nicht so viele Gedanken gemacht und wurde gerade so noch mit allem fertig, als mich eine Freundin für das Treffen abholte. Meine Schwester, meine Nichte und meine Mutter sollten auf die Kleine währenddessen aufpassen und ich schrieb neben mündlichen Erklärungen noch eine „Bedienungsanleitung“. Das wieder vom Baby-Modus runterkommen und sich nur auf mich konzentrieren können brauchte etwas Zeit, aber dann war es echt schön, die alten Gesichter von früher wieder zu sehen und sich zu wundern wie sehr sich die einen und die anderen gar nicht verändert haben. Es gab Sekt, von dem ich mir nur ein Gläschen gönnte, ein Gruppenfoto, eine Präsi mit alten Fotos von früher und leckeres Essen. Dann wurde ich jedoch je durch einen Anruf herausgerissen. Meine Familie kriegte Lämmchen einfach nicht zum Schlafen bezüglich ihres letzten Tagesschläfchen und sie wurde immer überdrehter und verheulter. So verabschiedete ich mich leider viel zu früh und kümmerte mich um mein armes Kind. Um ihr weitere Einschlafszenen zu ersparen legte ich mich mit ihr zusammen hin. Sie wehrte sich noch ein wenig aber schließlich schaffte sie es doch endlich, selbst im Schlaf tastete sie immer noch nach mir. Es war auch das erste Mal das jemand anderer als Papabock oder ich sie schlafen legen sollte und es tat mir leid, dass es nicht geklappt hatte. Wir hatten leider keine Zeit um es schrittweise zu versuchen. 

Ein schwarzer Muttertag

Die letzten Tage, Lämmchens Krankheit bzw. danach recht anstrengendes Befinden, meine Krankheit, der Stress um den Flug und zu guter Letzt die Sorge um Lämmchen, weil sie ohne mich nicht einschlafen konnte und letztendlich keine gute Zeit hatte, weil ich auf dem Klassentreffen war, … das hat mich wohl alles mehr gestresst und belastet als ich dachte. Deshalb geriet ich dann wegen einer Kleinigkeit mit meiner Mutter aneinander. Meine Mutter ist sehr …, ich drücke es mal wohlwollend positiv aus: meine Mutter gibt gerne den Ton an, lässt sich von den Gefühlen und Empfinden anderer nicht sehr beirren und schaut auf ihr Geld. Sie ist zudem nicht mehr die Jüngste und das Alter macht ja bekanntlich sehr festgefahren. (Versteht mich nicht falsch, ich hatte eine schöne Kindheit und liebe meine Mutter, auch wenn sie der durchaus fürsorgliche aber „ich weiß am besten was du brauchst, egal was du mir auch signalisieren magst“-Typ ist.) Und auf der anderen Seite ich, etwas ausgepumpt, dünnhäutig und nicht mehr die Kraft habend meine von ihr abgelehnten Bedürfnisse und Regenerationswünsche diplomatisch zu verdeutlichen. Sprich: Mir war kalt und meine Mutter weigerte sich für mich die Fußbodenheizung im Badezimmer in Betrieb zu nehmen. Daraufhin warf ich ihr die oben geschönten Eigenschaften ziemlich ungeschönt an den Kopf.
Und am nächsten Tag Muttertag. Super Timing! Trotz allem konnte und kann ich mich nicht entschuldigen. Der Inhalt ist nun mal das was ich meine. Und der Ton, ja, den hätte ich anders wählen können. Oder nein, eigentlich nicht, nicht zu diesem Zeitpunkt. Ich habe schon so oft diplomatisch sein müssen, während mir meine Mutter im Streit ziemlich respektlos in Inhalt und Ton gegenübertrat (was für sie aufgrund des Mutter-Kind-Gefälles nicht weiter auffällig ist). 

Lämmchens Verfassung

So, jetzt aber genug Privates ausgeplaudert. Lasst uns wieder auf das Wichtigste in meinem Leben und in diesem Blog zurückkommen, Lämmchen. Während des Fiebers ging es Lämmchen wirklich schlecht, sie war völlig matt und k.o. Den Durchfall steckte sie einigermaßen gut weg, aber sie schlief sehr viel. Die laufende Nase hat Lämmchen immer noch, auch die Tagesschläfchen sind noch länger als sonst und ab und an zeigt sie sich auch etwas erschöpft. So ganz fit ist sie noch nicht, auch wenn man das auf den ersten Blick nicht merken würde. Ansonsten setzt zurzeit der aktuelle Entwicklungsschub voll ein. Sie ist sehr anspruchsvoll, weint sofort wegen Kleinigkeiten, schnell wird ihr etwas langweilig - sie wird auch richtig sauer, wenn beim Spielen etwas nicht so klappt wie sie sich das vorstellt- und ich darf mich kaum von ihr lösen. Die Nächte sind entsprechend auch eher mühsam und hin und wieder kommt sie nur noch bei mir in meinem Bett einigermaßen zur Ruhe. Wir haben es wohl beide nicht einfach im Moment. Kann das sein, dass die Schübe immer schlimmer werden oder bahnen sich schon wieder die nächsten Zähne an?!

Mehr von unserem Treiben in Österreich dann im nächsten Post!


Euer geschlauchtes schwarzes Mutterschaf



Sonntag, 1. Mai 2016

Das Buch „Geborgen wachsen“ von Susanne Mierau mit dem schwarzen Mutterschaf


 
Ich hatte es euch ja schon angekündigt. Auch ich konnte meine Neugier nicht zügeln und hab mir ein Buch des bekannten gleichnamigen Blogs (http://geborgen-wachsen.de/) besorgt. Ich kannte ja schon einige ihrer Blogposts und freute mich schon sehr darauf nun ihr Buch zu lesen. Während Lämmchen neben mir spielte wollte ich dann nur kurz einen Blick hinein werfen und zack, schon konnte ich nicht mehr aufhören. Irgendwann wurde meine Kleine dann auch darauf aufmerksam und wir lasen zusammen. Gut, natürlich nur kurz. Lämmchen waren da einfach zu wenige Babybilder drin. Aber sonst fand sie es auch gut. Und vor allem lecker! ;)

Keine Sorge, bevor mein Mädchen das Buch ganz verschlingen konnte, hab ich es noch fertig gelesen. Und ich will euch heute davon erzählen. Wie schon viele andere vor mir im Netz. Aber ich schwarzes Mutterschaf lege meine Aufmerksamkeit wahrscheinlich auf ganz andere Punkte.

Als allererstes: Susanne Mierau ist eine Anhängerin des Attachment Parenting. Sie möchte möglichst natürlich gebären, stillt, trägt, hält ab, benützt Stoffwindeln, gibt ausschließlich Fingerfood, ... 
und sie schreibt darüber wie man Geborgenheit schafft. Und sie schreibt nicht nur darüber. Sie schafft sie selbst. Die Geborgenheit. Beim Lesen. Man fühlt sie, die Geborgenheit. Ich weiß nicht wie diese Autorin es macht, aber sie schafft es eine klare Richtung zu geben, dabei aber immer offen, respektvoll und verständnisvoll zu bleiben, wenn auch mal andere Wege eingeschlagen werden.

Ich habe ein paar einzelne Punkte herausgepickt, die sich teilweise sehr auf mich persönlich und/oder die besagten anderen Wege beziehen. Sie spiegeln also nicht die Gesamtheit des Buches wieder:

„Geborgen gebären, geborgen ankommen“

Bezüglich der Geburt geht die Autorin natürlich überwiegend darauf ein wie man diese im Idealfall gestalten kann. Aber auch zum Kaiserschnitt kann sie konstruktiv beitragen: „Jede Mutter wählt die Geburtsart, von der sie überzeugt ist, dass sie das Beste für sich und das Kind darstellt“. Sie scheut sich auch nicht Tipps für ein besseres Wohlbefinden bei einem geplanten Kaiserschnitt zu geben. Desweiteren geht es nicht nur um die magische erste Stunde Bonding: „Doch auch danach lässt sich Bindung wunderbar herstellen (…). Es ist nicht so, dass nur diese ersten Stunden zählen und für immer das Leben beeinflussen. Sie können ein hilfreicher Baustein sein, sind aber nicht das Fundament der Bindungsfähigkeit.“ 

„Geborgenheit über Sprache vermitteln“

Eine Basis der Geborgenheit ist für Mierau das Verstehen des Babys und das Geborgenheit über Sprache vermitteln. Hier habe ich zwei Aspekte aufgegriffen, die bei mir grade besonders aktuell sind und die ich mir immer wieder vor Augen halten möchte: „Auch Babys dürfen ihre Lallphase in Ruhe zu Ende bringen, bevor wir sie imitieren, um sie zum Weiterbrabbeln zu animieren.“ Ja, ich bin meiner Kleinen schon mal etwas zu ungeduldig in die Brabbelparade gefahren, um nur ja prompte Antwort zu geben und sie zum Weiterbrabbeln zu animieren. Danke dem Buch ist mir das bewusst geworden und ich achte nun besser darauf. :)
Und da ich ja ein kleines Entdecker-Krabbel-Lämmchen zu Hause habe: „Wenn wir hingegen jedem „Nein“ auch eine Begründung mitgeben, können wir uns selbst dabei unterstützen, herauszufinden, ob dieses „Nein“ auch wirklich notwendig ist.“ Auch hier arbeite ich schrittweise daran meine „Neins“ zu minimieren. (Ein Türschutzgitter für einen abgesicherten Katzen-Utensilien- und -Rückzugsbereich ist bestellt. Der Katzenbrunnen und das Katzenklo sind einfach ein zu großer Magnet. ;))

„Gemeinsames Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme“

Natürlich ist für Mierau Stillen das vorzuziehende Nahrungsmittel. Sie akzeptiert aber auch, dass Frauen ihre Gründe haben nicht zu stillen. „Haben diese Familien schlechtere Voraussetzungen für den Aufbau einer sicheren Bindung? Nein.“ Punkt. Dem ist für mich nichts hinzuzufügen. Die Autorin kann an dieser Stelle jedoch noch einige Tipps zu geborgener Flaschenfütterung beitragen.
Bindung als wichtiger Teil von Geborgenheit findet für die Autorin vor allem im Alltag statt und dies kann dann entsprechend flexibel ablaufen: „Wie wir im Alltag auf die Bedürfnisse des Kindes reagieren, ob wir Brei geben oder Fingerfood, ob wir tragen oder schieben, ist nur die Ausgestaltung des Rahmens der Wahrnehmung von Bedürfnissen.“ Ein bisschen viel „oder“ und gar kein „und“. Aber ich nehme mal an Mierau wollte den Text einfach halten, da es ihr im Grunde um etwas anderes geht: „Auch wenn die breifreie Beikost viele Vorteile hat, gibt es auch Eltern, die lieber Brei füttern möchten und für die dies die entspanntere Form der Beikosteinführung ist. Und genau das ist wichtig, wenn es darum geht, dass unsere Kinder den Umgang mit Nahrung lernen: dass wir entspannt sind.“ DAS ist absolut meine Rede, ich würde das sogar noch von der Nahrung auf die Welt ausweiten. Wenn wir entspannt sind, wenn es uns gut geht, dann überträgt sich das direkt auf das Kind. Niemand von uns kann vor dem Kind ständig verstecken und verdrängen wie ausgepowert und gestresst wir sind. Wenn wir möchten, dass die Kinder möglichst entspannt und damit auch glücklich und geborgen groß werden, dann müssen wir uns auch mal um uns selbst kümmern und auch an die eigenen Bedürfnisse im Umgang mit dem Baby denken. Für Susanne Mierau bedeutet das, dass auch Breikost damit völlig in Ordnung geht, solange diese Gelassenheit gegeben ist. Für mich schwarzes Mutterschaf bedeutet das, dass ich sogar so dreist bin diesen Bogen weiter bis hin zum Gläschenfüttern zu ziehen. Es entspannt mich ungemein, meine Zeit nicht mit für mich enervierender Essenszubereitung verbringen zu müssen.


„Körperpflege eine Zeit des Miteinanders“

Zu den Wegwerfwindeln zeigt sich die Autorin ebenfalls wieder offen: „Achtsame Babypflege ist auch mit Wegwerfwindeln möglich, wenn Eltern auf die Signale ihres Kindes achten und zugunsten der Körperpflege tägliche Zeiten an der frischen Luft ohne Windeln einbauen.“ Hier freue ich mich schon auf sommerliche Temperaturen, wo das leichter und auch draußen praktizierbar ist. Das Wickeln war bei uns eigentlich lange eine sehr schöne Angelegenheit, ich konnte mit Lämmchen im Rahmen der Körperpflege besonders gut spielen, interagieren, streicheln und sie an Körpererfahrungen teilhaben lassen. Seit sie aber krabbeln kann ist ihr Bewegungsdrang enorm gestiegen und ihr fehlt nun ein wenig die Ruhe dafür. „Das Kind braucht kein Mobile, das es von der Situation ablenkt, es braucht kein Spielzeug am Wickelplatz. Das Wickeln allein ist Spiel und Aufregung genug.“, sagt Mierau. Beides brauchten wir bei Lämmchen auch nicht, bis die gesteigerte Bewegungsfreude eintrat. Hier versuche ich jetzt also so gut es geht das Spielzeug wieder auszuschleichen und das Wickeln interessant genug zu gestalten, um sie bei der Sache zu halten. Das klappt je nach ihrer Stimmung mal mehr und mal weniger gut. Es ist immer noch anstrengend für mich uns beide beim Wickeln entspannt zu halten. Leider irgendwo ein Widerspruch. Aber in process. ;)

„Familien müssen mobil sein – aber wie?“

Tragen hat viele Vorteile, wenn es bei beiden Beteiligten fluppt. Das kann auch die Autorin sehr schön ausformulieren. Aber auch für den Kinderwagen im Alltag kann sie Positives finden: „Die Unterstützung durch einen Kinderwagen kann deswegen hilfreich und entlastend sein – und eine Entlastung des Alltags kann sich wiederum positiv auf die Stimmung und Interaktion auswirken.“
 

„Jedes Bild hat einen Rahmen – über Grenzen“

Was mich überrascht hat war ihre eigentlich recht konkreten Ansagen im Bereich zu Erziehung und Grenzen. Lämmchens Erziehung hat eigentlich noch nicht richtig angefangen, aber natürlich mache ich mir auch schon Gedanken darüber und versuche mich hier im Dschungel der Ansätze und Möglichkeiten zurecht zu finden. Das „aufgeklärte“ Nonplusultra ist heutzutage wohl die Variante a lá „unerzogen“ (hierzu z.B. mehr in dem Blog https://diephysikvonbeziehungen.wordpress.com/), im Sinne von: Kinder möglichst wachsen lassen wie und wohin sie wollen. Die Eltern sorgen dabei für einen möglichst großen und sicheren Rahmen in dem z.B. die Inhalte „Erziehung, Grenzen, Konsequenz, Regeln oder Neins“ verpönt sind. Ich finde das grundsätzlich spannend, vom theoretischen Ansatz her. Allerdings ist mir das alles so wenig greifbar, mir fehlen die konkreten Beispiele im Alltag und so bin ich mir nicht sicher wie weit dieser Weg für mich gehbar sein kann. Mierau jedoch scheut sich nicht Klartext zu sprechen: „Im Alltag müssen wir unseren Kindern Grenzen klar kommunizieren: Manche Dinge sind nicht verhandelbar, und kleine Kinder sind von einem Entweder-oder oder einem „könnte“ eher überfordert. Sie können Entscheidungen noch nicht alleine treffen. Oder besser: Sie müssen Entscheidungen nicht treffen, denn dafür sind wir ihre Eltern.“

„Fördern oder Fordern?“

Auch bezüglich dem Leistungsdenken und Baby-Kurs-Förder-System hat die Autorin etwas beizutragen: „Wir fördern, anstatt im Alltag ausreichend Gelegenheiten zu bieten, die das Kind fordern.“ Also kein schlechtes Gewissen, wenn die eine Bekannte viel mehr Kurse mit dem Baby belegt hat als man selbst. Hat ein Kind einen reichhaltigen Alltag reicht dies völlig aus. Lämmchen und ich besuchen eine geschlossene Krabbelgruppe und eine offene, weil ich ihr den Umgang mit mehreren anderen Erwachsenen und Kindern nicht so ausgeprägt bieten kann. Ich sehe wie sehr sie dabei aufblüht, da sie ein sehr soziales Wesen ist. Ein wenig schlechtes Gewissen hatte ich, weil wir keinen vielbesungenen „Baby-Schwimmkurs“ besucht haben und hier nimmt Mierau wirklich ein wenig den Druck.

„Geborgen Schlafen“

Natürlich ist auch Schlaf ein Thema des Buches. „Vermitteln wir ihnen (den Kindern) Sicherheit und Ruhe und sind verlässlich bei ihnen, wenn sie sich ängstigen, lernen sie mit der Zeit sich selbst zu beruhigen. (…) Deswegen bedeutet geborgenes Schlafen nicht nur, dass Babys im ersten Jahr in der Nähe der Eltern schlafen dürfen.“ Bei dem ersten Teil bin ich noch ganz bei der Buchautorin. Ich möchte mein Baby nicht schreiend alleine lassen. Das ist grausam und einfach nicht notwendig. Sobald Lämmchen heult oder schreit, bin ich binnen einiger Sekunden bei ihr. Meine Kleine bringt von Haus aus ein relativ hohes Sicherheitsgefühl mit, das durch unsere Ruhe und unser Dasein (wenn notwendig) noch verstärkt worden ist. Denn sie war immer schon sehr entspannt, konnte auch oft einfach abgelegt werden und da einschlafen wo sie grade war, mit uns und dem Leben rundherum. Eines Tages, etwa mit zwei, drei Monaten klappte das plötzlich nicht mehr so. Sie quälte sich mit dem Einschlafen. Ich zerbrach mir den Kopf darüber welches scheinbar unerfülltes neues Bedürfnis dahinter stecken musste. Ich probierte herum woran es liegen konnte. Mein Bauchgefühl sagte mir schließlich, dass sie vielleicht mehr Ruhe brauchte. Und so rollte ich unser Beistellbettchen auch tagsüber vom belebteren Wohnzimmer zurück in das ruhige und etwas abgedunkelte Schlafzimmer, legte mein müdes Mädchen dort ab, zog mich zurück und wartete ab.  Lämmchen schlief ansatzlos ein. Und das mehr oder weniger noch bis heute.  (Wenn nicht, dann ist sie einfach noch nicht müde genug oder es liegt aufgrund Schub, Zahnen etc. eine Ausnahmesituation … vor. ;)) 
Wenn sie nachts wach wird und heult, dann komme ich und lege ihr beispielweise meine Hand auf die Brust. Hin und wieder hält meine Kleine meine Hand fest, zeigt, dass sie die Berührung gerade besonders braucht. Manchmal schläft sie mit dieser Berührung dann ein. Manchmal schiebt sie meine Hand aber auch bewusst weg und dreht sich zur Seite. Dann weiß ich, dass sie nun einfach in Ruhe einschlafen möchte und ich mich zurückziehen kann. Lämmchen verbrachte also schon nach zwei, drei Monaten die ersten Stunden der Nachtruhe in unserem Schlafzimmer alleine, bis wir selbst ins Bett gingen. Neuerdings mit den getrennten Schlafzimmern verbringt sie grundsätzlich die ganze Nacht allein. Die Buchautorin zieht diesbezüglich eine magische Grenze mit einem Jahr. Bis dahin schlafen die Kinder geborgen in der Nähe der Eltern. Danach wohl auch geborgen in getrennten Zimmern. Ich weiß nicht ob diese Grenze als ungefähre Richtlinie oder als Minimum gedacht ist oder mit welchen Überlegungen sie festgelegt worden ist. In unserem Fall unterschreite ich dieses Limit um ca. 2 Monate. Zwei Monate, die ich in unserem Fall als durchaus gerechtfertigt sehe, eben weil mein Kind immer schon sehr entspannt mit dem Alleineschlafen umgegangen ist (solange jemand kommt, wenn sie es braucht). 

„Eltern und Kinder zuerst“

Besonders schön (und) zu meinem Blog passend finde ich das abschließende Thema: Eltern und Kinder zuerst. „Es stimmt nämlich nicht, dass die Kinderbedürfnisse über allem stehen. Wenn ich glücklich bin, kann ich auch einen entspannten und glücklichen Tag mit meinem Kind verleben.“  
Und weiter plädiert sie: „Es gibt kein Besser oder Schlechter, weil wir von außen die wirklichen Beweggründe für Entscheidungen, die andere Eltern treffen, nicht kennen oder sie vielleicht aus unseren Erfahrungen heraus gar nicht nachfühlen können. Deswegen steht uns auch keine Bewertung dessen zu, was für jede einzelne Familie richtig wäre.“ 
 Es geht auch nicht darum Supereltern zu sein und jederzeit alle Bedürfnisse des Kindes prompt zu befriedigen. Man sollte dem Baby auch die Gelegenheit geben, Selbstregulation zu erlernen und zu erfahren. Die Autorin bringt an dieser Stelle auch das Beispiel mit dem selbstständigen nächtlichen Wiederein- bzw. umgangssprachlichen Durchschlafen. Sie teilt grundsätzlich die Meinung von Donald Winicott, der eine „ausreichend gute Mutter“ der „zu guten Mutter“ vorzieht.

„Schlusswort“

„Doch der Weg in eine glückliche Kindheit kann auch ganz anders aussehen. Er kann in einer Klinik beginnen, mit künstlicher Säuglingsnahrung weitergeführt werden und ganz ohne Abhalten und Stoffwindeln und ohne Tragetuch passieren.“
Das ist es was ich meine. Mit den ganzen (modernen aber auch alten) „Erziehungs“-Ansätzen in der Baby- bzw. Kinderwelt kommt schnell der Gedanke auf, diejenige die diese oder jene Praxis erfüllt ist eine bessere Mutter als jene die es nicht macht – oder umgekehrt.
Jeder kann sich den Ansatz suchen, der am besten zu einem passt. Es ist weniger das was, es ist das wie. Was nützt es dem Kind wenn es alleine geboren, getragen, gestillt, abgehalten etc. … wird, wenn die Mutter gestresst, erschöpft, launisch, frustriert oder cholerisch ist? (Dass wir das alle mal sind und sein können, steht dabei außer Frage, ich spreche von überwiegend dauerhaften Zuständen.)

Beenden möchte ich meinen literarischen Ausflug mit folgendem Abschlusssatz der Autorin: „Bleiben unsere Augen offen und unsere Herzen bereit, unseren Alltag immer wieder neu aus der Kinderperspektive zu betrachten, haben wir damit die einzig wirklich wichtigen Zutaten für ein geborgenes Aufwachsen gefunden.“

Wie bereits eingangs erwähnt, war dies eine sehr persönliche und spezielle Rezension des Buches „Geborgen Wachsen“ von Susanne Mierau. Wer neugierig geworden ist und noch mehr wissen will: Das frühe Vogerl verlost bis zum 3. Mai  ein paar Exemplare des Buches:  

Euer sich schon nach dem nächsten Buch umsehendes schwarzes Mutterschaf